Sprachunterricht planen: Stundenaufbau Schritt für Schritt
Eine Sprachstunde in sechs Schritten planen: Kann-Ziel, Phasen, Zeit, Sozialform und Material, mit Planungsraster zum Übernehmen für eine 45-Minuten-Stunde.
UnterrichtsplanungVeröffentlicht
Eine gute Planung für die Sprachstunde beginnt mit einem Ziel, formuliert als das, was die Lernenden am Ende können, etwa: „Die Lernenden können im Café bestellen und nach Zutaten fragen.“ Von diesem Ziel aus planen Sie rückwärts: Was müssen sie hören oder lesen, was üben, und wo wenden sie es frei an? Alles Weitere ist Zeit, Sozialform und Material, und das passt auf eine Seite.
Schritt 1: Ein Kann-Ziel formulieren
Ein brauchbares Stundenziel ist konkret, beobachtbar und in einer Stunde erreichbar:
- Zu vage: „Perfekt wiederholen.“
- Besser: „Die Lernenden können einer Partnerin in fünf bis sechs Sätzen von ihrem Wochenende erzählen und verwenden dabei das Perfekt regelmäßiger und häufiger unregelmäßiger Verben.“
Solche Kann-Ziele lassen sich direkt an die Beschreibungen des GER anbinden, siehe GER-Niveaustufen. Viele Lehrpläne in Deutschland, Österreich und der Schweiz formulieren ihre Kompetenzerwartungen inzwischen ebenfalls in dieser Logik. Und das Stundenende ist damit schon geplant: Sie prüfen, ob die Lernenden es können.
Schritt 2: Die Stundenform wählen
| Form | Phasenfolge | Passt, wenn |
|---|---|---|
| PPP | Präsentation, gelenkte Übung, freie Anwendung | neue Grammatik oder ein klar umrissener Satz an Redemitteln |
| Aufgabenorientiert | Vorbereitung, Aufgabe, Präsentation, Sprachfokus | Grundlagen sind da, es geht um Flüssigkeit und echten Gebrauch |
Die aufgabenorientierte Variante ist im Beitrag zum aufgabenorientierten Sprachunterricht ausführlich beschrieben. In der Praxis wechseln viele Lehrkräfte innerhalb einer Woche: montags PPP, mittwochs eine Aufgabe, die dieselben Mittel im Zusammenhang nutzt.
Schritt 3: Das Verlaufsraster ausfüllen
Beispiel für eine 45-Minuten-Stunde auf A2 mit dem Ziel „im Café bestellen und nach Zutaten fragen“:
| Phase | Teilziel | Aktivität | Sozialform | Zeit | Material |
|---|---|---|---|---|---|
| Einstieg | Wortschatz zu Speisen aktivieren | Foto einer Café-Theke: in einer Minute so viele Dinge wie möglich benennen | PA, dann Plenum | 5 Min. | Foto am Bildschirm |
| Input | Redemittel zum Bestellen bemerken | Kurzen Café-Dialog zweimal hören, gehörte Wendungen ankreuzen | EA | 8 Min. | Hörtext, Redemittelliste |
| Gelenkte Übung | Redemittel korrekt verwenden | Lückendialog ergänzen und mit Rollentausch lesen | PA | 10 Min. | Arbeitsblatt oder digitaler Lückentext |
| Freie Anwendung | Mit echter Auswahl bestellen | Rollenspiel mit echten Café-Speisekarten, Gast fragt nach einer Zutat | GA zu dritt (Gast, Bedienung, Beobachtung) | 14 Min. | Gedruckte oder Online-Speisekarten |
| Zielkontrolle | Prüfen, ob das Ziel erreicht ist | Zwei Paare spielen vor, die Klasse notiert je eine gelungene Wendung | Plenum | 5 Min. | Beobachtungsbogen |
| Abschluss | Brücke zur nächsten Stunde | Exit-Ticket: eine Bestellung und eine Frage aufschreiben | EA | 3 Min. | Zettel oder Tafel |
EA = Einzelarbeit, PA = Partnerarbeit, GA = Gruppenarbeit.
Achten Sie auf die Spalte Sozialform: In diesem Verlauf sprechen die Lernenden mehr als die Hälfte der Zeit in Paaren oder Gruppen. Zeigt Ihr Raster überwiegend Plenum, finden Sie unter Sprechanlässe Wege zu mehr Redezeit.
Schritt 4: Die Übergänge planen
Viel Zeit geht nicht in den Phasen verloren, sondern zwischen ihnen. Klären Sie für jeden Übergang:
- Wie gebe ich die Arbeitsanweisung? Kurz, vorgemacht, mit einer Kontrollfrage.
- Wie finden sich Paare und Gruppen? Vorher festlegen.
- Was tun Schnelle? Eine Zusatzkarte oder eine Anschlussfrage bereithalten.
Schritt 5: Einen Puffer einbauen
Markieren Sie eine Aktivität als optional und eine als streichbar. Im Beispiel kann die Beobachterrolle bei Zeitnot entfallen, bei schnellen Gruppen kommt eine zweite Runde mit Rollentausch dazu. So vermeiden Sie das bekannte Muster, dass die Anwendungsphase am Ende im Eiltempo durchgezogen wird.
Schritt 6: Gezielt differenzieren
Sie brauchen nicht drei Fassungen jeder Aktivität. Meist genügen ein, zwei Stellen: eine Redemittelkarte für Schwächere in der freien Phase und eine zusätzliche Herausforderung für Stärkere. Praktische Varianten finden Sie unter Differenzierung in heterogenen Gruppen.
KI als Planungshilfe
Chatbots können die Vorbereitung beschleunigen, etwa mit Vorschlägen für Einstiege, Beispieldialogen auf einem bestimmten Niveau oder einer vereinfachten Textfassung. Behandeln Sie jedes Ergebnis als Entwurf und prüfen Sie Sprachniveau, landeskundliche Richtigkeit und den Bezug zum Stundenziel. Personenbezogene Daten von Lernenden gehören nicht in den Chat. Vorlagen finden Sie bei den ChatGPT-Prompts für Sprachlehrkräfte.
Über die Einzelstunde hinaus planen
Eine Stunde steht selten für sich. Planen Sie deshalb zuerst die Unterrichtsreihe: Welche Lernaufgabe soll am Ende der Reihe stehen, etwa ein Rollenspiel, ein Brief oder eine kleine Präsentation? Welche Teilziele führen dorthin, und in welcher Reihenfolge? Die Einzelstunde ist dann ein Baustein mit klarer Funktion, und Sie vermeiden, dass Wortschatz, Grammatik und Sprechanlässe unverbunden nebeneinanderstehen.
Kurzcheck vor der Stunde
- Steht das Ziel auf dem Plan und kann ich es den Lernenden nennen?
- Dient jede Phase diesem Ziel?
- Sprechen oder schreiben die Lernenden mindestens die Hälfte der Zeit in der Zielsprache?
- Sind die Arbeitsanweisungen kurz und vormachbar?
- Gibt es am Ende eine Zielkontrolle?
- Weiß ich, was ich bei Zeitnot streiche?
Häufige Fragen
Wie ausführlich muss eine Stundenplanung sein?
Für den Alltag genügt eine Seite mit Ziel, Phasen, Zeiten, Sozialformen und Material. Im Referendariat bzw. Vorbereitungsdienst werden meist ausführlichere Entwürfe mit didaktischer Begründung verlangt; das Verlaufsraster selbst sollte trotzdem auf eine Seite passen.
Worin unterscheidet sich eine PPP-Stunde von einer aufgabenorientierten Stunde?
Bei PPP (Präsentation, Übung, Anwendung) steht das Sprachmittel am Anfang und die freie Aufgabe am Schluss. In der aufgabenorientierten Stunde lösen die Lernenden zuerst die Aufgabe, der Sprachfokus folgt aus dem, was ihnen gefehlt hat. Das Raster bleibt gleich, nur die Reihenfolge ändert sich.
Darf ich KI für die Unterrichtsvorbereitung nutzen?
Für Entwürfe ja: Ein Chatbot kann Einstiege, Beispielsätze oder vereinfachte Textfassungen vorschlagen. Ziel, Abfolge und die Entscheidung, was zur Gruppe passt, bleiben Ihre Aufgabe. Achten Sie außerdem darauf, keine personenbezogenen Daten von Lernenden einzugeben.
Was streiche ich, wenn die Zeit knapp wird?
Legen Sie das vorher fest. Die Zielkontrolle am Ende sollte bleiben, denn sie zeigt Ihnen, wo die nächste Stunde ansetzt.
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